Presseberichte

„Hackemoor unter Strom“ erkämpft Verfahrensprüfung

 

middMerzen. Beinahe symbolisch wirkte der Name des Versammlungsortes für den Informationsabend der Bürgerinitiative Hackemoor unter Strom: „Zum Löwen“ heißt das Lokal in Merzen, und wie die Löwen kämpften Udo Biemann und sein Team, um noch den Fuß in die Tür zu bekommen für ein ergebnisoffenes und faires Suchverfahren bei der vom Netzbetreiber Amprion in Merzen geplanten Umspannanlage.

Tatsächlich wurde der Knoten – besser: ein Knoten – durchschlagen: Der Leiter des Amtes für regionale Landesentwicklung (ArL) konnte sich der geschickten Argumentation und dem zunehmenden Druck im Saal nicht entziehen. Er gab seine anfänglich starre Haltung auf und sagte zu, die gut begründete Forderung nach einem Raumordnungsverfahren (ROV) „mitzunehmen“ und nochmals intensiv zu prüfen.

Landkreis für Erdverkabelung

Deutlich wurde, dass die „große Politik“ den weitestgehend überirdischen Verlauf der geplanten 380-kV-Leitung vorantreibt und den Standort der Umspannanlage schnellstens festschreiben möchte. War die Bürgerversammlung trotzdem ein Erfolg ? Ohne Zweifel, denn es gibt einen neuen Hoffnungsschimmer – geradezu erzwungen von BI-Initiatoren, Bürgern sowie Kommunalpolitikern und unterstützt vom Landkreis Osnabrück. Kreisrat Dr. Winfried Wilkens hatte sich früh für ein ROV zum Umspannwerk und für Erdverkabelungs-Lösungen eingesetzt. Er stellte in der Diskussion die rechtliche Situation von bis zu fünf verschiedenen Genehmigungen für eine Ausbaumaßnahme in Frage.

Biemann: Reden Klartext

„Wir reden heute Klartext“ startete Udo Biemann seinen kämpferischen Rückblick – auf Aktionen mit anderen Bürgerinitiativen, eine Fahrt zu Vertretern des Niedersachsenparks, um dortige Chancen für ein Umspannwerk auszuloten, Treffen der Beteiligten in Berlin („eine Alibi-Veranstaltung“), eingeholte Expertisen und Termine mit Rechtsberatern, Teilnahme am Dialogforum Cloppenburg, wo der Netzbetreiber Tennet per ROV durchaus verschiedene Standorte für ein Umspannwerk prüft, sowie Besprechungen mit Vertretern aus Politik und Verwaltung. 

Die oft frustrierenden Erfahrungen wurden „übertroffen“ von ausbleibenden konkreten Ergebnissen eines Runden Tisches, der unter Teilnahme von Amprion viermal tagte. Transparenz und Prüftiefe wie beim ROV sollten Ziele sein, aber herausgekommen sei nicht einmal eine gemeinsame Abschlusserklärung trotz der Einschaltung von IKU-Dialogexperten. Kriterien für die Standortbewertung wie zwölf Hektar Flächenbedarf, technische Machbarkeit, Erhalt von Schutzgebieten und Landschaftsbild wurden kaum geprüft, viele Fragen blieben offen. Die BI seien als Sündenböcke hingestellt worden. Der angebliche „Termindruck durch Netzüberlastungen“ sei längst widerlegt.

„Verzögerungs- und Vertuschungstaktik“

Von einer „Verzögerungs- und Vertuschungstaktik“ sprach Neuenkirchens Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nikolay und vergab „eine klare 6“. Sie sei enttäuscht und entsetzt von den Amprion-Versuchen, Zwietracht zwischen den Kommunen zu säen. Sie stellte – wie auch andere – klar, dass mit dem Umspannwerk-Standort die Trassenführung der 380-kV-Leitung ja bereits eindeutig festgelegt werde: „Das können wir nicht akzeptieren“ sagte sie unter großem Beifall.

Den erhielt – in geringerer Form – auch Bersenbrücks Samtgemeindechef Horst Baier, ebenso am Thema interessiert wie die Bürgermeister Gregor Schröder und Detert Brummer-Bange sowie Claus Peter Poppe. Niedersachsen gelte in Berlin als rebellisch, das habe er in Hannover erfahren. In Bayern sei ihm sogar eröffnet worden: „Wir brauchen keinen Strom aus dem Norden“. Man habe dort ein eigenes Konzept. Er setzte Hoffnungen auf Erdverkabelung.

Biemann kritisierte die einseitige Amprion-Präsentation zur 380-kV-Umspannanlage im Neuenkirchener Rat. Technisch sei der Netzbetreiber nicht auf dem neuesten Stand. Ein Freileitungsprojekt sei angeblich zwingend, dabei gebe es Gutachten, die Gleichstrom und damit Erdverkabelung als absolut zukunftsfähig bezeichnen. Der Wald müsse bei dem in Hackemoor geplanten Umspannwerk weiträumig fallen. „Erstmals überhaupt ist auch das Problem Lärm aufgegriffen worden“.

Merzen – nicht ganz grundlos

Sarkastische Bemerkungen und skeptische Mienen im Saal gab es, als Franz-Josef Sickelmann, Leiter des Amtes für Regionale Landesentwicklung, behauptete, ein ROV sei gesetzlich nur zulässig, wenn Amprion es beantrage. Merzen sei vom Gesetzgeber „nicht ganz grundlos“ als Endpunkt festgelegt worden, weil dort schon Höchstspannungsleitungen mündeten. Der Begriff „Suchraum“ würde so ad absurdum geführt, warf ein Zuhörer ihm vor.

ROV für Punktmaßnahme?

Anzeichen von Nervosität zeigten Sickelmann und Bernhard Heidrich (ArL), als Udo Biemann verdeutlichte, dass gemäß amtlicher Verlautbarung „…neu zu errichtende Umspannwerke...“ nicht Punkt-, sondern Streckenmaßnahmen seien, die zwingend ein ROV erforderten. Die Quelle – „Bestätigung Netzentwicklungsplan Strom (Zieljahr 2024)“ der Bundesnetzagentur – warf der BI-Chef gleich mit an die Wand. Die Bitte von Sickelmann, ihm diese zu überlassen, sorgte für Gelächter im Saal.

Auch seine Bemerkung „Wenn etwas nicht richtig gemacht wurde, werden wir das prüfen. Dafür sind wir hier“ stieß nicht auf Wohlwollen. „Solche Quellen müssten Sie doch selbst längst haben. Am Anfang haben Sie so getan, als wenn alles 100%ig in Ordnung wäre. Jetzt versuchen Sie, die Kurve zu kriegen“ warf ihm ein älterer Zuhörer vor.

Konfliktträchtige Lösungen

Bundesbedarfsplan (BBPlG), Erdverkabelung und Autobahnkorridore – von Teilnehmern aus dem BI-Team eindringlich vorgetragen – waren weitere Problemfelder, zu denen meist Bernhard Heidrich Stellung nahm. D1/D2-Trassen seien als allzu konfliktträchtige Lösungen verworfen worden. Kreisrat Dr. Winfried Wilkens hielt fünf verschiedene Genehmigungen für eine Ausbaumaßnahme nach 51b (Vorzugskorridor) für rechtlich fragwürdig. Die besten Lösungen für Standorte sowie für 110-kV- und 380-kV-Einleitungen seien nur per ROV zu finden. Der CDU-Landtagsabgeordnete Christian Calderone erklärte „Wir arbeiten daran, die Landesregierung zu einer Bundesratsinitiative zu bewegen, neue Technologien zu berücksichtigen“.

Unvoreingenommen prüfen

Wie lange die Bearbeitung dauere, wenn Amprion tatsächlich einen ROV-Antrag stelle, fragte jemand. Zur dringenden Bitte von Frederik Abing, die ROV-Forderung nochmals unvoreingenommen zu prüfen, war Sickelmanns Antwort: „Ja, selbstverständlich !“

Den Dank an Teilnehmer, Politiker und ArL drückte Udo Biemann aus, der für sein Schlusswort „Wir sind nicht am Ende, wir fangen jetzt erst richtig an“ große Zustimmung fand.

 

Quelle: NOZ, erschienen am 03.07.2017

 

NDR Markt berichtet über die geplante Umspannanalage im Raum Merzen

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Amprion bricht Vereinbarung  

Auch der 3. Runde Tisch endet mit vielen offenen Fragen

Am gestrigen Donnerstag tagte im Bersenbrücker Medienforum der 3. Runde Tisch zum Thema Standortfindung der Umspannanlage im Raum Merzen. Teilnehmer des inneren Kreises waren wieder neben der Firma Amprion die hauptamtlichen Vertreter der potentiell betroffenen Kommunen und Landkreise sowie alle BIs aus der Region.

Themen wie eine rechtliche Verfahrenseinschätzung vom Amt für Landesentwicklung, Lastflüsse der 110kV-Ebene der Firma Westnetz sowie das Umweltgutachten des Planungsbüros Kortemeier Brokmann standen auf der Tagesordnung.

Das Amt für Regionale Landesentwicklung konnte sich auch in dieser dritten Runde des informellen Verfahrens nicht (final) zum Thema Genehmigungsverfahren für das Umspannwerk positionieren. Es bleibt nach wie vor offen, ob es zu einem ganzheitlichen ROV unter Einbeziehung der Standortfrage des Umspannwerks in Merzen kommen kann oder ob es bei dem von Amprion präferierten, vereinfachten Verfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz kommt. Der Vertreter aus Oldenburg signalisierte aber, dass er diese Entscheidung schnellstmöglich nachholen wolle, wenn dringende Unterlagen des Energiereferats vom Niedersächsischen Umweltministerium eingegangen seien.

Im Vortrag der Firma Westnetz ging es abermals um die aktuelle Belastungssituation der vorhandenen 110kV-Ebene. Diese Hochspannungsebene ist für die Aufnahme der regional erzeugten erneuerbaren Energie aus dem Verteilnetz und ihren Weitertransport verantwortlich. Amprion begründet seit jeher die Notwendigkeit für ein verkürztes Genehmigungsverfahren mit der Dringlichkeit des Netzausbaus infolge der Überbelastung des vorhandenen Stromnetzes. Bei der gestrigen Sitzung stellte der LK Osnabrück allerdings klar, dass es vor Ausweisung der neuen Windvorranggebiete im Landkreis ein Gespräch mit der Firma Westnetz gab, in dem sie die Notwendigkeit eines Netzausbaus zur Umsetzung von geplanten Windparks verneinte. Ergänzend wurde sogar vor diesem Hintergrund festgestellt, dass nach heutgem Stand nicht mit einer Inanspruchnahme von 4.000 ha Windvorrangflächen sondern nur noch von ca. 1.000 ha auszugehen sei. Auch seinen die Betreiber der geplanten Windparks im Rahmen der durch Westnetz erteilten Netzanschlusszusagen nicht auf bereits vorhandene Netzengpässe oder drohende, verspätete Inbetriebnahmedaten verursacht durch notwendige Netzausbaumaßnahmen hingewiesen worden, so die Firma Westnetz. Der Verein Hackemoor unter Strom e.V. hat bereits vor Monaten die eigentlich öffentlichen, netzrelevanten Daten von den Firmen Westnetz und Amprion zur eigenen Überprüfung und Validierung angefragt. Bisher hat die BI keine Daten erhalten. Da sich beide Firmen bis gestern gegen einen transparenten Umgang mit den Netzdaten ausgesprochen haben, ist auch an dieser Stelle davon auszugehen, dass eine gutachterliche Überprüfung zu einem für die Argumentation der Firmen nachteiligen Ergebnis käme.

Im weiteren Verlauf stellte das von Amprion beauftragte Büro Kortemeier Brokmann die Ergebnisse der Prüfung nach wechselseitigen Bezügen und Auswirkungen zwischen dem gesuchten Standort und die später zu realisierende 380kV-Trasse zwischen Cloppenburg und Merzen dar. Hierbei zeigte sich, dass kein Standort innerhalb des von Amprion definierten Suchraumes nennenswerte Auswirkungen sowohl auf die Bestandstrassen als auch auf die neu zu errichtende Trasse hat. Dieses Ergebnis machte sich Amprion zunutze und betrachtete fortan am Runden Tisch Trasse und Umspannanlage wieder isoliert voneinander.

Die Vorstellung des Umweltgutachtens fiel übersichtlich aus und brachte hervor, dass Amprion mögliche Standorte außerhalb des Suchraumes, beispielsweise an der A1, nicht hat überprüfen lassen. Dieses Vorgehen war nicht das Vereinbarte und wurde insbesondere von den Vertretern des Landkreises Osnabrück kritisiert, da es die vereinbarte Ergebnisoffenheit für das Suchverfahren unterläuft. Anstatt eines Eingeständnisses dieses Versäumnisses forderte Amprion die Teilnehmer des inneren Kreises mehrfach dazu auf, doch Alternativstandorte zu benennen. Ganz offensichtlich ist Amprion nach wie vor nicht dazu bereit, die Standortfrage ergebnisoffen zu klären sondern möchte die Teilnehmern des runden Tisches dafür verantwortlich machen, auch auf Kosten des interkommunalen Friedens. Die Teilnehmer stellten fest, dass das vorgestellte Umweltgutachten nicht nur die eigentliche Aufgabe der Ergebnisoffenheit verfehlt, sondern auch in der zugesagten Prüftiefe, bezogen auf die Wechselwirkung zwischen Umspannanlage und CCM-Trasse, zu wünschen übrig lässt.

Die Frage eines Teilnehmers, ob die Vorhabensträgerin denn auch ohne Mitwirkung des Amts für regionale Landesentwicklung die Standortfrage des Umspannwerks in ein ganzheitliches ROV integrieren könne, wurde von einem Amprionvertreter unter Hinweis auf die entsprechende Rechtsnorm bejaht.

Vor wenigen Tagen wurden der Firma Amprion die von den BIs gesammelten 5000 Unterschriften unter einen Beschwerdebrief öffentlich überreicht. Diese Tatschache ließ die Verteter der Firma am 3. Runden Tisch aber völlig unbeeindruckt. Nur unter Protesten der meisten Teilnehmer und unter Verweis auf die erst kürzlich eingereichten Unterschriften zugunsten eines ROV hat sich Amprion dazu bereit erklärt, die Standortbewertung dreier Standorte außerhalb des Suchraumes nachzuholen.

Bereits am 7. November kommt es zur finalen vierten Sitzung des von Amprion in Leben gerufenen Runden Tisches. Auch vor diesem zeitlichen Hintergrund bleibt mit Spannung zu erwarten, ob es noch zum allseits geforderten Paradigmenwechsel in Sachen Haltung und Verfahren kommt.

Hackemoor unter Strom e.V.

BI Ankum-Rüssel

GI Gegenstrom Alfhausen

Bürger gegen 380kV e.V.

BI Üffeln-Balkum

 

Pressemitteilung aller oben genannter Initiativen und Vereine vom 21.102016. Leider wurde die Mitteilung von der Neuen Osnabrücker Zeitung bis heute, dem 29.10.2016 nicht veröffentlicht!

 

 

Artikel vom 15.09.2016

Stromtrassengegner bereiten sich auf Treffen mit Amprion vor

 

Merzen. Auf Einladung des Vereins Hackemoor unter Strom sind jetzt die Bürgerinitiativen der gesamten Region in der Gaststätte Maassmann in Merzen zusammengekommen.

Anwesend seien die Vertreter der Bürgerinitiativen 380 kV – Wir wehren uns aus Falkenberg, Landkreis Cloppenburg unter Spannung, Gegenstrom-Alfhausen, Bürger gegen 380 kV Gehrde sowie Ankum gewesen, teilte der Verein Hackemoor unter Strom mit.

 

Mangelnde Transparenz

Vor dem Hintergrund, dass am 26. September der zweite Runde Tisch in Bramsche stattfinde, habe die Vorbereitung auf eben diesen Termin ganz oben auf der Tagesordnung gestanden. Des Weiteren wurden die aktuellen Ergebnisse und Erfahrungen aus den Gesprächen mit Amprion, Tennet sowie den Behörden diskutiert. Hier waren sich alle Beteiligten einig, dass die so oft von Amprion und Tennet zugesagte Transparenz und Offenheit bislang ausgeblieben sei.

 

Mehr Fragen als Antworten

Nachdem der erste Runde Tisch am 20. Juni mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet habe, sei es Amprion bis heute nicht möglich gewesen, die dringendsten Information zu liefern, heißt es weiter. So werde man den zweiten von insgesamt vier Terminen angehen müssen, ohne seine Hausaufgaben adäquat erledigt zu haben. Um diesen Missständen kurzfristig entgegenwirken zu können, beschlossen die Bürgerinitiativen, die Zusammenarbeit ab sofort weiter zu intensivieren und zu bündeln

 
Quelle: http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/775268/stromtrassengegner-bereiten-sich-auf-treffen-mit-amprion-vor
 

Runder Tisch zur Umspannanlage Merzen verlegt Termin der zweiten Sitzung

Die für Freitag, 2. September, geplante zweite Sitzung des Runden Tisches zur Umspannanlage im Raum Merzen ist auf den Termin der dritten Sitzung am 26. September verschoben worden. Darauf haben sich die Teilnehmer aufgrund von Terminschwierigkeiten mit breiter Mehrheit geeinigt. An den Themen des Treffens ändert sich hingegen nichts: Dr. Markus Doll von der Bundesnetzagentur wird die Grundlagen der Planung und den Status Quo des Verfahrens aus der Sicht seiner Behörde darstellen. Darüber hinaus wird die Firma Amprion mit einer Präsentation ihrer Suchkriterien und einem Vergleich mehrerer räumlicher Varianten in die Diskussion über die am besten geeigneten Bereiche für eine Umspannanlage einführen. Der Übertragungsnetzbetreiber hat bekanntlich den gesetzlichen Auftrag, im Rahmen des Netzausbaus eine Umspannanlage im Raum Merzen zu errichten.

Der Diskussionsprozess am Runden Tisch unter Leitung des Büros IKU_Die Dialoggestalter ist bis Anfang November angelegt. Am 7.11. findet die vierte und letzte Sitzung statt. Für den Zeitraum zwischen dem 26. September und dem 7. November wollen die Teilnehmer jetzt kurzfristig einen neuen dritten Termin vereinbaren.

 

Quelle: Mitteilung „IKU Die Dialoggestalter“ per Pressestelle Landkreis Osnabrück am 30.08.2016

 
 
Artikel vom 19.06.2016

 

FÜR MEHR TRANSPARENZ

 

Umspannwerk bei Merzen: Runder Tisch tagt in Osnabrück

 

Altkreis Bersenbrück. Ein Runder Tisch in Osnabrück und das Dialogforum in Cloppenburg werden sich in dieser Woche mit dem geplanten Bau einer 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung von Conneforde nach Merzen und dem Bau eines Umspannwerks bei Merzen beschäftigen.
Den Auftakt macht am Montag, 20. Juni, eine Zusammenkunft im Kreishaus Osnabrück. Die Suche nach einem Standort für das Umspannwerk bei Merzen soll transparent und ergebnisoffen an einem Runden Tisch geführt werden, darauf hatten sich im April in Neuenkirchen Landkreis, Netzbetreiber Amprion, Gemeinden und die Bürgerinitiative „Hackemoor unter Strom“ verständigt. Sie beauftragten die Kommunikationsberatung IKU aus Dortmund, die Moderation zu übernehmen und Vorschläge für den Ablauf und die Zusammensetzung eines Runden Tisches zu unterbreiten. Diese Vorschläge würden in der ersten Sitzung vorgestellt, wie IKU-Mitarbeiter Frank Fligge auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. „Das ist ein Vorschlag und muss noch nicht die finale Zusammensetzung sein.“
„Innerer Kreis“
Grundsätzlich gilt: Jedes durch die Planung des Umspannwerkes im Raum Merzen berührte Interesse sitzt am Tisch. Soll heißen: Zum sogenannten „inneren Kreis“ gehören die unmittelbar Betroffenen, also die Vertreter der Kommunen, die zurzeit in dem von Amprion festgelegten Suchraum für das Umspannwerk liegen. Das sind die Samtgemeinden Neuenkirchen und Bersenbrück und die Stadt Bramsche. Dazu gehören auch der Landkreis Osnabrück, der Übertragungsnetzbetreiber Amprion sowie die Bürgerinitiativen „Hackemoor unter Strom“ , „Gegenstrom Alfhausen“ und die Ankumer Bürgerinitiative „Gegen Stromtrasse Rüssel/Sitter/Tütingen/Westerholte“. Diese acht Teilnehmer haben in den Sitzungen ein Frage- und Rederecht.
„Äußerer Kreis“
Zum „äußeren Kreis“ – hier sitzen Beobachter und Gäste – sollen laut Vorschlag der Kommunikationsberater die Gemeinden Merzen, Neuenkirchen, Ankum, Alfhausen, Neuenkirchen-Vörden sowie der Landkreises Vechta, aber auch das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Oldenburg als Genehmigungsbehörde sowie das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg sitzen.
Zusammensetzung verändert sich mit einer Verschiebung des Suchraums
Fligge erläuterte, dass die Zusammensetzung des Runden Tisches stets an den aktuellen Sachstand angepasst werde, sobald sich der Suchraum für das Umspannwerk verändere und andere Kommunen berühre. „So können Teilnehmer des inneren Kreises mit Rede- und Fragerecht auch zu Beobachtern werden, die kein direktes Rederecht besitzen, aber auf Fragen aus dem inneren Kreis antworten können.“
Daten und Fakten kommen auf den Tisch
Ziel dieses ergebnisoffenen Prozesses ist, maximale Transparenz herzustellen. Das bedeutet, dass alle Fakten und Daten für mögliche Umspannwerk-Standorte, ihre Auswirkungen auf die Region und die Folgen für die Leitungsführung der geplanten 380-Kilovolt-Stromtrasse nachvollziehbar dargestellt werden. Die Firma Amprion hat sich verpflichtet, ihre Planungen eingehend zu erläutern und aufzuzeigen, wie der am besten geeignete Standort für die Umspannanlage gefunden werden kann.

Runder Tisch: Noch drei Sitzungen bis Ende Oktober
Laut Moderator Frank Fligge sind bis Ende Oktober noch drei weitere Sitzungen geplant, in denen es um unterschiedliche Themenschwerpunkte gehe. In der heutigen Sitzung stehen zunächst die Klärung des Rechtsrahmens und die Beteiligungsmöglichkeiten auf der Tagesordnung. So werden die beteiligten Genehmigungsbehörden erläutern, weshalb der Standort für das Umspannwerk nicht mit mithilfe eines Raumordnungsverfahrend ermittelt wird, sondern die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImschG) beantragt wird. Ein Vertreter von Westnetz wird darstellen, warum das Umspannwerk im „Raum Merzen“ gebraucht wird und warum es vor der 380-kV-Stromtrasse fertiggestellt werden soll. Der Netzbetreiber Amprion wird darlegen, welche Anforderungen ein möglicher Standort erfüllen muss.
Amprion legt Standort für Genehmigungsverfahren fest
„Der Runde Tisch hat aber keine Entscheidungskompetenz“, stellt Frank Fligge klar. Auch eine Diskussion darüber, ob 380-kV-Leitung und Umspannanlage benötigt würden, sei nicht vorgesehen. Der Netzbetreiber Amprion lege als Vorhabenträger letztlich den Standort für die Umspannanlage fest, der das Genehmigungsverfahren durchlaufen soll. „Aufgabe des Runden Tisches ist, für Transparenz zu sorgen und die Entscheidung nachvollziehbar zu machen“, so Frank Fligge.

 

Diesen Artikel finden Sie unter: http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/731392/umspannwerk-bei-merzen-runder-tisch-tagt-in-osnabruck

Veröffentlicht am: 19.06.2016

 

 

 

 

Artikel vom 12.03.2016

MEHR TRANSPARENZ GEFORDERT

Merzen: Eine Region sagt Nein zum Umspannwerk

 

Merzen. Mit etwa 400 Zuhörern beim zweiten Informationsabend und mehr als 700 Mitgliedern verbucht der Verein „Hackemoor unter Strom“ enormen Zuspruch in der Region. Doch Politiker, Fachleute und Sympathisanten sind sich einig: Die eigentliche Arbeit kommt erst noch.
Der Konflikt: Lässt sich der Bau des von der Firma Amprion geplanten Umspannwerks in Merzen noch verhindern? Eine verbindliche Antwort auf diese Frage, die inzwischen nicht mehr nur die Merzener, sondern neben dem gesamten Altkreis auch viele Bürger aus Bramsche und Umgebung umtreibt, gibt es derzeit noch nicht. Dafür aber jede Menge gut durchdachte Ideen, Solidaritätsbekundungen von vielen Seiten und erste Gespräche mit Vertretern des Investors Amprion: „Es kann nur eine regionale Lösung geben, die für alle Städte und Gemeinden im Artland tragbar ist“, betonte Vereinsvorsitzender Udo Biemann. „Aber von der sind wir noch ein ganzes Stück weit weg.“ Das Ziel der Initiative: „Es geht darum, einen Gesamtkonsens zu finden“, unterstrich Biemann: „Wir wollen das Problem nicht von A nach B schieben.“
„Am Ende wird gebaut“
Die Ausgangslage: Der Neubau der im Netzentwicklungsplan vorgesehenen 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung von Conneforde nach Merzen ist besiegelt. Die Entscheidung, entlang welcher der vier derzeit von Amprion untersuchten Trassen der Strom dann in den kommenden Jahrzehnten geführt wird, ist noch nicht gefallen. Als Endpunkt der Leitung und somit als Standort des Umspannwerks ist im Netzentwicklungsplan Merzen genannt. Fest steht: „Am Ende werden eine Leitung und ein Umspannwerk gebaut“, verdeutlichte Kreisrat Winfried Wilkens die Fakten
Kritik am Genehmigungsverfahren
Der Hauptkritikpunkt: In einem sind sich die Mitglieder des Vereins Hackemoor unter Strom, die Kommunalpolitiker vor Ort, der Landkreis Osnabrück, dessen Position an diesem Abend Kreisrat Winfried Wilkens vertrat, sowie Gastredner und Bundestagsabgeordneter André Berghegger einig: Das umstrittene Umspannwerk in Merzen nach Bundes-Immissionsschutz-Verordnung (BImSchV) genehmigen zu lassen – wie es Investor Amprion derzeit handhabt – , sei alles andere als optimal und trage nicht zur von Amprion zugesagten Transparenz und Bürgerbeteiligung bei. Stattdessen fordern die Kritiker, das komplette Vorhaben – Höchstspannungsleitung in Kombination mit dem Umspannwerk – so, wie es auch im Landkreis Cloppenburg praktiziert werde, in das Planfeststellungs- und Raumordnungsverfahren einzubeziehen.
„Wo liegt Merzen?“
Weitere Forderungen:
Nachdem die Bundesregierung die Trasse erst Ende 2015 als Pilotprojekt für die Erdverkabelung ausgewiesen hat, müsse die Frage des „Raumwiderstands“ hinsichtlich der Trassenführung neu bewertet werden, fordert der Verein. Was wiederum Einfluss auf den Standort des Umspannwerks haben könne. Juristisch geklärt werden müsse außerdem, was mit dem Begriff „Merzen“ als Standort eigentlich gemeint sei: das Gemeindegebiet oder der Großraum? Udo Biemann berichtete, dass bei einem Gespräch mit Vertretern der Firma Amprion herausgekommen sei, dass – ein technisch betrachtet –auch andere Standorte in Frage kämen.
Naturschutz als Konkurrenz
Stolperfallen:
Den vom Verein ins Spiel gebrachten Alternativstandort des ehemaligen Militärflughafens Wittenfelde in Neuenkirchen-Vörden, bestätigte André Berghegger, habe der Bund in die Liste des Nationalen Naturerbes aufgenommen. Bereits seit den 1990er-Jahren sei das Gelände als Vorranggebiet für den Naturschutz ausgewiesen, ergänzte Wilkens. Der Bund habe signalisiert, dass er den Standort derzeit für ein Umspannwerk als „nicht sinnvoll“ betrachte. „Nicht sinnvoll heißt aber nicht: unmöglich“, gab sich Biemann kämpferisch.

Akzeptanz durch Offenheit
Die Quintessenz:
Das Wort des Abends lautete zweifellos „Ergebnisoffenheit“. Kreisrat Wilkens plädierte für eine ergebnisoffene Suche sowohl bei der Trassenführung, als auch bei der Standortfrage für das Umspannwerk. Auch über die technischen Möglichkeiten einer Erdverkabelung müsse offen diskutiert werden. Nur durch Verfahrenstransparenz seitens des Investors und durch die sachliche Beantwortung aller Fragen sei eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen, mahnte auch Berghegger. Das nächste Gespräch zwischen Hackemoor unter Strom und Amprion ist noch vor Ostern geplant.

 

Diesen Artikel finden Sie unter: http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/683469/merzen-eine-region-sagt-nein-zum-umspannwerk-1

Ausgabe: Bersenbrücker Kreisblatt

Veröffentlicht am: 12.03.2016

 

 

 

Artikel vom 02.03.2016:

 

ZU NAH AM KINDERGARTEN?

 

Widerstand gegen Trasse durch Rüssel und Westerholte

 

Ankum. Eine der Trassen, die für die geplante Höchstspannungsleitung von Cloppenburg zum Umspannwerk in Merzen überprüft werden, berührt die Ankumer Außenbezirke Rüssel und Westerholte. Dort formieren sich jetzt Bewohner zum Widerstand.
„Unser oberstes Ziel wäre es, dass das geplante Umspannwerk in Merzen gar nicht erst gebaut wird“, so Rainer Rumker. „Dann wären die Suchkorridore bis auf den entlang der Autobahn hinfällig.“ Die Familien Rumker, Pohlmann-Geers und Middendorf gehören zu denen, deren Häuser und Grundstücke im Suchkorridor für die 380-kV-Leitung liegen. Keine schöne Perspektive, finden sie. „Die Masten sind fast so hoch wie der Kirchturm“, sagt Marina Rumker. „Hier sind viele Leute, die dank der schönen Landschaft ihr Geld mit touristischen Angeboten verdienen. Die Masten zerstören dieses Landschaftsbild.“ Der Grundstückswert sinke, und der Mindestabstand der neuen Leitungen zu Wohngebieten höre sich zwar gut an, sei aber tatsächlich lediglich eine Richtlinie, kein verbindliches Gesetz.

Noch wichtiger als finanzielle seien gesundheitliche Bedenken, so Marina Rumker. Höchstspannungsleitungen gäben niederfrequente elektrische und magnetische Strahlung ab, die Schlafstörungen und Kopfschmerzen auslösen könnten. Also verlaufe der Suchkorridor zu nahe am Kindergarten Kattenboll“. „Wir kämpfen hier auch um das Wohl unserer Kinder“, bekräftigt sie.

So sei der Entschluss gereift, sich zu engagieren. „Wir haben Infoflyer gedruckt und entlang des Suchkorridors in jeden Briefkasten geworfen. Nach der enormen Resonanz per Telefon und E-Mail gab es dann einen Info-Abend im Schützenhaus Asiwa, bei dem wir auch Beitrittserklärungen für die Bürgerinitiative gegen das geplante Umspannwerk in Merzen ‚Hackemoor unter Strom‘ ausgegeben haben. Als weitere Aktionen haben wir Dauerplakate entlang des Suchkorridors in Sichtweite zur Straße geplant, um ein Bewusstsein zu schaffen dafür, wer und was alles betroffen ist“, so Christian Pohlmann-Geers.

Die Resonanz sowohl auf dem Infoabend als auch über die zusätzlichen Vereinsbeitritte in „Hackemoor unter Strom“ zeige, dass das Thema wichtig sei, und erfreulicherweise stehe auch die Gemeinde in Gestalt von Bürgermeister Detert Brummer-Bange hinter den Protesten.
Wer sich ebenfalls beteiligen möchte, kann sich unter Telefon 05462/887483 oder per E-Mail an gegenstromleitung@gmx.de bei den Initiatoren melden.

 

 

Diesen Artikel finden Sie unter: http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-bersenbrueck/artikel/678010/widerstand-gegen-trasse-durch-russel-und-westerholte

Ausgabe: Bersenbrücker Kreisblatt
Veröffentlicht am: 02.03.2016

 

 

 

Artikel vom 24.01.2016:

 

Geballter Gegenwind gegen Umspannwerk in Merzen

 

Merzen. Sein erstes Ziel hat der Verein „Hackemoor unter Strom“ zweifellos erreicht: Möglichst viele Menschen wollte die Initiative über die Auswirkungen des von der Firma Amprion in Merzen geplanten Umspannwerkes aufklären. 
Dass der Saal der Gaststätte Maassmann bei der ersten Informationsveranstaltung mit mehr als 300 Besuchern allerdings förmlich aus den Nähten zu platzen drohte – damit hatten wohl selbst die kühnsten Optimisten im Vorstand nicht gerechnet.
Nicht mit Polemik, sondern durch sachliche Informationen wolle der Verein den Bau des insgesamt rund zwölf Hektar großen Umspannwerks im Merzener Landschaftsschutzgebiet „Hackemoor“ verhindern, betonte Vereinsvorsitzender Udo Biemann. Die Lösung könne allerdings nicht darin liegen, das ungeliebte Bauprojekt den Bürgern der benachbarten Gemeinden „vor die Nase zu setzen“, sondern: „Wir wollen gemeinsam einen alternativen und für die gesamte Region akzeptablen Standort zu finden“, betonte er. 
Militärgelände als Alternative?
Als Alternative brachte Biemann das ehemalige Militärgelände in Neuenkirchen-Vörden ins Spiel: „200 Hektar unbebaute Fläche in unmittelbarer Nähe zur Autobahn – keine Häuser, keine Kindergärten, keine Menschen. Das scheint uns ideal.“ Zumal diese Lage wohl auch einer Trassenvariante für die ebenfalls geplante 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung entlang der Autobahn in die Karten spielen würde. Aber wie geht man vor, wenn man als Bürgerinitiative die Pläne eines gigantischen Unternehmens wie die des Netzbetreibers Amprion durchkreuzen will?
Wenn Gegner zu Dialogpartnern werden
Dass so etwas gelingen kann, verdeutlichte Energieberaterin Anne Stamm vom Verein „Menschen unter Strom“ aus Garenfeld in der Nähe von Dortmund. Auch in ihrer Gemeinde hatte die Firma Amprion vor drei Jahren ein Umspannwert – in zentraler Lage – geplant. Doch durch das Engagement einer Bürgerinitiative, in der sich binnen zwei Wochen rund 1800 Mitglieder formierten, wurde dessen Bau verhindert und an einem weniger umstrittenen Standort realisiert. „Als wir in den Dialog mit der Firma Amprion eingetreten sind, haben wir uns zunächst gefühlt, als säßen wir dem Feind gegenüber“, berichtete Stamm. „Aber dann haben wir festgestellt, dass auch Amprion mit sachlichen Argumenten arbeitet und gegenüber dem von uns erarbeiteten Kriterienkatalog durchaus aufgeschlossen war.“ Im Laufe der Zusammenarbeit sei dann „tatsächlich so etwas wie Vertrauen entstanden.“
Politiker zeigen sich solidarisch
Nicht nur die Einwohner, auch die Vertreter der Politik – neben Bürgermeister Gregor Schröder aus Merzen waren seine Kollegen Christoph Lührmann (Neuenkirchen), Bernhard Egbert (Voltlage) und Detert Brummer-Bange (Ankum) sowie auch weitere Ratsmitglieder anwesend – signalisierten ihre Solidarität gegenüber den Zielen des Vereins. Lührmann wies auf eine grundsätzliche Dialogbereitschaft hin, auf die er bei den Mitarbeitern der Firma Amprion bisher gestoßen sei und bot der Bürgerinitiative an, den Kontakt zwischen ihr und dem Unternehmen herzustellen.
Kostenloser Beitritt in den Verein
„Wir haben nur diese eine Chance: In den nächsten sechs Monaten mit Amprion ins Gespräch zu kommen“, fasste Udo Biemann zusammen. Je mehr Mitglieder der Verein bis dahin habe, desto schwerer wiege seine Stimme. Der Beitritt sei kostenlos, Spenden erwünscht, Beitrittsformulare könnten unter www.hackemoorunterstrom.de heruntergeladen werden. Einige man sich mit dem Netzbetreiber auf keinen alternativen Standort für das Umspannwerk , erwäge der Verein dann allerdings auch die Möglichkeit einer Klage, kündigte Biemann an.

 

 

Diesen Artikel finden Sie unter: http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/661396/geballter-gegenwind-gegen-umspannwerk-merzen#gallery&0&0&661396
Ausgabe: Bersenbrücker Kreisblatt
Veröffentlicht am: 24.01.2016

 

 

 

Artikel vom 30.12.2015:

 

Widerstand gegen Umspannwerk bei Merzen formiert sich

 

Neuenkirchen/Merzen. 14 Bürger aus Neuenkirchen und Merzen haben den Verein „Hackemoor unter Strom“ aus der Taufe gehoben. Nach dem Willen der Gründungsmitglieder soll er zum Sprachrohr und zur Interessenvertretung aller Einwohner werden, die vom geplanten Umspannwerk bei Merzen betroffen wären. Im Januar möchte sich der Verein mit einer Infoveranstaltung einer breiten Öffentlichkeit vorstellen.

Die Kritik des Vereins „Hackemoor unter Strom“ richtet sich gegen das Vorhaben des Übertragungsnetzbetreibers Amprion. Das Dortmunder Unternehmen plant nicht nur mit der Firma Tennet den Neubau einer 380-Kilovolt-Höchstspannungleitung von Conneforde nach Merzen. Hier, am Endpunkt der Stromtrasse, ist außerdem ein Umspannwerk geplant, wie Amprion im Sommer bekannt gab.
 

Für Umspannwerk werden zwölf Hektar benötigt

„Wir wollen die Einwohner aufklären und über die möglichen Auswirkungen informieren“, sagt Udo Biemann. Der Neuenkirchener ist in der Gründungsversammlung zum 1. Vorsitzenden bestimmt worden. Weitere Mitglieder des Vorstandes sind Tim Tobergte (2. Vorsitzender), Christian Ruberg (Kassierer) und Judith Abing (Schriftführerin). Biemann und seine Mitstreiter betrachten die Planungen rund um den Bau des Umspannwerkes südlich von Merzen mit größter Sorge. „Da wird kein kleiner Transformator mitten in die Landschaft gestellt.“ Für die Anlage würden bis zu zwölf Hektar Fläche benötigt, sagt er.
Vor allem die Größenordnung des Bauvorhabens im Hackemoor zwischen Merzen und Neuenkirchen schreckt die Vereinsmitglieder auf. „Wir müssen allen Bürgern im Suchraum das Ausmaß dieses Vorhabens deutlich machen“, ergänzt Tim Tobergte. Hier sei eine der größeren Anlagen in Deutschland geplant, die unmittelbaren Auswirkungen für Menschen und Natur seien noch gar nicht zu überblicken.

Eingriff in die Landschaft

Neben gesundheitlichen Risiken durch Elektrosmog stelle ein zwölf Hektar großes Umspannwerk an dieser einen tiefen Eingriff in das Landschaftsbild dar. „Die Anlage hat die Ausmaße eines Industriegebietes“, sagt Tobergte. Ein Standort im Hackemoor sei die falsche Wahl: Das Areal liege in einem Landschaftsschutzgebiet, sei wichtig für die Wassergewinnung. Anwohner müssten darüber hinaus noch mit finanziellen Einbußen rechnen, denn ihre Immobilien verlören durch das Umspannwerk „mindestens die Hälfte an Wert“.
Nicht nachvollziehen kann Udo Biemann die Vorgehensweise des Netzbetreibers. Amprion habe mitgeteilt, dass das Umspannwerk schon 2018 – und damit deutlich früher als die neue 380-kV-Leitung – in Betrieb gehen solle. Es sei zu fragen, wie Amprion auf dieser Grundlage planen könne, wenn der genaue Verlauf der Stromleitung noch gar nicht feststehe. Außerdem befürchtet der Vereinsvorsitzende, dass das geplante Umspannwerk nach 2035 noch deutlich vergrößert werden könnte. „Merzen wird ein strategischer Entwicklungspunkt bleiben“, sagt er. Deshalb müsse es das Ziel aller Beteiligten sein, „einen Standort innerhalb und außerhalb des Suchraums zu finden, der wirklich geeignet ist“.
Eine weitere Befürchtung des Vereins: Das Genehmigungsverfahren für den Bau des Umspannwerkes könnte „still und leise und ohne wirkliche Bürgerbeteiligung“ ablaufen. Während bei der Planung der neuen Stromtrasse eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung gebe, sei bei der Genehmigung des Umspannwerkes ein deutlich verkürztes Verfahren zu erwarten.
In den kommenden Wochen will der gerade gegründete Verein auf sich und sein Anliegen aufmerksam machen und Werbung in eigener Sache betreiben. Eine Internetseite ist bereits freigeschaltet, auf der regelmäßig über den Fortgang des Projektes berichtet werden soll. Zu wenige Menschen in Merzen und Neuenkirchen, so der Eindruck, ahnten bisher, „was da auf sie zukommt“.
 

Verein lässt sich beraten

Der Vorstand kündigt an, sich alle nötigen Informationen rund um den Bau des Umspannwerkes beschaffen zu wollen. „In technischer und juristischer Hinsicht, und vor allem von unabhängiger Seite“, so Udo Biemann. Auch eine anwaltliche Beratung werde der Verein bei Bedarf in Anspruch nehmen, um seine Interessen zu vertreten.
Ebenfalls in der Pflicht, die Bedenken und Befürchtungen der Bürger ernst zu nehmen und ihrerseits für Aufklärung zu sorgen, sieht der Vorsitzende auch die Gemeinderäte von Merzen und Neuenkirchen.
Infoabend am 21. Januar 2016 in Merzen

Am Donnerstag, 21. Januar, plant der Verein „Hackemoor unter Strom“ eine erste Informationsveranstaltung für alle interessierten Einwohner. Sie beginnt um 19 Uhr in der Gaststätte Maassmann in Merzen.Info/Kontakt: „Hackemoor unter Strom“, E-Mail: info@hackemoorunterstrom.de ; Internet: www.hackemoorunterstrom.de
 

Zur Sache:

Merzen ist aus Sicht der Netzbetreiber bereits heute ein wichtiger Knotenpunkt. Von Lingen führt eine 220-kV-Leitung nach Wehrendorf, in Merzen zweigt eine 220-kV-Leitung ab, die nach Westerkappeln führt. Deshalb bietet sich aus Sicht des Netzbetreibers Amprion das Leitungsdreieck Merzen an, um die 380-kV-Transportleitung in das bestehende Stromnetz einzubinden. Dazu sei der Bau einer Umspannanlage erforderlich, teilte das Unternehmen mit. Dafür ist ein Flächenbedarf in der Größenordnung von zwölf Hektar nötig. Das sind umgerechnet etwa 16 Fußballfelder. Der etwa fünf Kilometer breite Suchraum reicht vom westlichen Gemeindegebiet Merzens bis nach Thiene und Hesepe. Betroffen vom Bau der Anlage wären also die Gemeinden Merzen und Neuenkirchen sowie die Stadt Bramsche. Die Planungen von Amprion sehen so aus: Zurzeit sucht Amprion Grundstücke für den Standort des Umspannwerkes, als Tausch- und Ausgleichsfläche. Im zweiten Quartal 2016 sollen die Flächen zur Verfügung stehen. Bis Ende 2016 soll das genaue Aussehen der Anlage festgelegt werden, so dass im ersten Quartal 2017 das Genehmigungsverfahren starten kann. Baubeginn könnte nach jetzigem Stand im zweiten Quartal 2017 sein. Ende des Jahres 2018 soll das Umspannwerk in Betrieb genommen werden. cg

 

Diesen Artikel finden Sie unter: http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/653490/widerstand-gegen-umspannwerk-bei-merzen-formiert-sich
Ausgabe: Bersenbrücker Kreisblatt
Veröffentlicht am: 30.12.2015

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